Was hab ich da eigentlich unter der Nadel?

Wenn man anfängt zu nähen, ist es ja so, dass man irgendwie versucht möglich viele Stoffe für möglichst wenig Geld zu bekommen. Man hat irgendwie im Kopf, dass selber nähen ja günstiger sein sollte. Dieses Vorurteil höre ich auch öfters, wenn ich mal auf meine Näherei angesprochen werde…

Allerdings kommt man davon ziemlich schnell weg, wenn man erstmal dabei ist. Man stellt sich bald die Frage – Warum nähe ich eigentlich selber? Vorrangig natürlich, weil es einem Spaß macht. Man kann vom Alltag ein wenig abschalten und hat, neben all den Dingen wie Job, Haushalt und Kindern, mal etwas Zeit für sich. Dann ist da noch die Sache mit der Individualität und der Kreativität. Man möchte keine Kleidung „von der Stange“, möchte etwas Besonderes und die Tatsache, dass man seine eigenen Ideen einbringen und umsetzen kann, ist natürlich ein tolles Gefühl.

Aber es gibt noch einen Punkt, der für mich schnell wichtig wurde. Die Frage des Ursprungs… Woher kommt ein T-Shirt für zwei Euro? Wie ist es möglich, dass es um diesen Preis verkauft werden kann? Jeder Mensch verfügt über eine gewisse Schulbildung, kann rechnen und jedem sollte bewusst sein, was da so alles mit einberechnet werden sollte, um einen Verkaufspreis zu kalkulieren.

Jetzt sind wir ja alle nicht auf den Kopf gefallen (die meisten zumindest nicht) und uns allen ist schon einmal ein Bericht über Arbeitsbedingungen in sogenannten Entwicklungsländern untergekommen… Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit sind Themen, die an keinem von uns vorbei gehen sollten.

Die Frage warum ich nähe, konnte ich also auch ziemlich schnell so beantworten: Um zu wissen woher, das was ich und meine Kinder am Körper tragen, kommt. Dazu gehört natürlich nicht nur die Tatsache, wer das Kleidungsstück gerfertigt hat, sondern auch woher der Stoff kommt.. Unter welchen Bedingungen wurde die Baumwolle angebaut? Was für Farbe wird verwendet und woher kommt diese? Alles Fragen, über die man sich im ersten Moment wenig Gedanken macht, aber wenn wir über Nachhaltigkeit und Arbeitsbedingungen reden, die keinerlei Rechte verletzen, müssen wir uns über den ganzen Produktionsweg Gedanken machen und wenn wir das tun, wird ziemlich schnell klar, dass ein fair produzierter Stoff, in Bio-Qualität eben nicht nur 10 Euro/m kosten kann.

Natürlich kann sich nicht jeder jeden Stoff leisten, das ist mir durchaus bewusst und der Beitrag dient nicht dazu, um mit dem Finger zu zeigen oder zu belehren. Aber vielleicht näht man eben einfach ein, zwei Shirts weniger, dafür aber eines aus einem Stoff, bei dem man weiß, man muss keinerlei schlechtes Gewissen haben wenn man darüber nachdenkt, wo der Stoff herkommt und wer eventuell dafür ausgebeutet wurde.

Es gibt diverse Logos und Standards, wie man einen fair produzierten Stoff erkennen kann. Einer der bekanntesten ist wohl der Global Organic Textile Standard (kurz GOTS). Wer seine Stoffe, mit diesem Standard kennzeichnen will, muss eine ganze Reihe strenger Anforderungen erfüllen. Angefangen bei der Faserproduktion, über Umwelt-, teschnische und soziale Kriterien bis hin zu Verpackung und Vertrieb.

Kleinere Unternehmen, die oft noch von zu Hause aus arbeiten, verzichten oft noch auf den GOTS, weil es einfach schwer umsetzbar ist, wenn die entsprechenden Räumlichkeiten auch nicht gegeben sind. Dennoch wird in vielen Betrieben bereits nach diesem Standard produziert, meine liebe Natascha von Astrokatze ist dafür ein gutes Beispiel.

Ihre Eigenproduktionen werden bei einem GOTS zertifiziertem Hersteller produziert und die Baumwolle ist aus kontrolliertem, biologischen Anbau (kbA). Durch die Zertifizierung des Herstellers kann sie davon ausgehen, dass – bis zur Lieferung – in der Produktionskette sozial verträgliche Arbeitsbedingungen herrschen.

Ihre Stoffe mag ich immer schon besonders gerne – nicht überladen was Farben und Formen angeht und eben, der für mich, nicht ganz unwichtige Produktionsweg.

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Ich freue mich immer ganz besonders, wenn ich einen ihrer neuesten Stoffe vorab in Händen halten darf und für mich oder meine Hexen vernähen kann. Ihr neuestes Design ist die zuckersüße Meerjungfrau „Fanny Lou“.

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Für meine Hexen macht es sicher (noch) keinen Unterschied wie und unter welchen Bedingungen ein Stoff produziert wurde, allerdings kann ich, für mich, sagen, dass es mir gleich doppelt so viel Spaß macht, einen fair und nachhaltig produzierten Stoff zu verabeiten.

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Kombiniert habe ich Fanny Lou mit schlichten Streifen in beere. Tatsächlich hatte ich aber sicher 5 oder 6 verschiedene Stoffe, die ich gerne dazu vernäht hätte. Es passt wirklich fast alles.

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Meine verwendeten Schnitte sind „Madämchen“ von FeeFee und der Sommer-Klassiker „Marina“ von MaThiLa.

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Vielleicht hab ich ja den ein oder anderen mit meinem Beitrag hier darauf neugierig gemacht, etwas mehr über Produktionswege, Arbeitsbedingungen und textile Standards zu erfahren. Um tatsächlich auf alles einzugehen, würde ein Beitrag lange nicht reichen, aber wer sich dafür interessiert, sollte sich einfach ein bisschen Zeit nehmen und sich ein wenig „einlesen“ – es lohnt sich!

Eure Kischi

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Velara für die selbstbewusste Frau

In den letzten drei Wochen ist hier ja praktisch gar nichts passiert. Ich hatte mich in den sozialen Netzwerken rar gemacht, wie man so schön sagt.

Die Gründe dafür liegen in meinem Privatleben und zu einem anderen Zeitpunkt werde ich sicher auch noch mehr darüber sagen, denn früher oder später werden sie auch mein „Blogger-Leben“ mehr oder weniger betreffen, allerdings eher, dass ich mich zeitlich mehr einschränken werde müssen.

Im Moment verändert sich sehr viel bei mir und ich muss das erst einmal verarbeiten. Es ist aber keinesfalls nur negativ und ich freue mich auf den Weg, der vor mir liegt.

Was ich euch damit sagen will?

Es geht mir besser und ich will meine neu gewonnene Energie nutzen um auch hier wieder durchzustarten. Viele Dinge sind schon vor der kleinen Auszeit entstanden, teilweise noch gar nicht fotografiert *schäm*

Ich hab hier auch noch immer einen Beitrag über meinen Wienausflug „in der Warteschlange“ und überhaupt noch so viel, was ich euch zeigen und sagen möchte. Aber – eines nach dem anderen. In der Ruhe liegt die Kraft (auch wenn das keine meiner Stärken ist).

Auf meinen Beitrag zu meinem neugewonnen Körpergefühl hab ich eine unglaubliche Resonanz erhalten. Viele wunderbare Kommentare hier im Blog und auf Facebook und wahnsinnig berührende Emails und PNs. Ich danke euch so sehr dafür! Es ist ja nicht immer einfach etwas von sich Preis zu geben, ich gehöre zu den Menschen, denen das besonders schwer fällt und wenn man sich dazu entscheidet zu so einem Thema öffentlich etwas zu schreiben, weiß man nie genau, wie die Reaktionen dazu ausfallen werden.

DANKE! Danke, für alle eure ehrlichen Worte und den ein oder anderen Seelen-Striptease. Ich drück euch alle ganz fest dafür!

Und so knüpfe ich heute irgendwie an das Thema an. Wenn ich mir die Bilder ansehe, die in den letzten Wochen so von mir entstanden sind, wunder ich mich doch ein wenig. Warum? Weil ich sie tatsächlich mag. Das war bei Weitem nicht immer so und es brauchte oft Stunden, bis auch nur ansatzweise zwei, drei Bilder dabei waren, die ich bereit war zu zeigen.

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Umso glücklicher bin ich, sagen zu können, dass diese Bilder innerhalb einer halben Stunde entstanden sind – inklusive Bearbeiten *highfive* 😀

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Genäht hab ich hier eine Hose. Ein mega lässiger Schnitt meiner lieben Dani von Schnittgeflüster. „Velara“ heißt ihr neues Baby und ich kann euch sagen… Was da so hinter den Kulissen abging… Ich glaub, ich hab selten ein Probenähen erlebt, bei dem sooooo viele Teile entstanden sind und die Mädels so begeistert waren.

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Meine Velara ist aus dünnem Viskosejersey (ein Material was früher eher nicht für mich in Frage kam), hat Abnäher vorne, seitliche Eingriffstaschen und einen tieferen Schritt. Während des Probenähens sind so viele verschiedene Varianten entstanden, aber diese hier ist eigentlich mein Favorit. Total bequem und mega lässig!

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Ich mag meine Kurven auf diesen Bildern total gerne, auch wenn ich mittlerweile ein bisschen davon verloren habe, und frage mich ernsthaft warum das mit dem Selbstbild lange so „falsch“ war.

Und weil ich mich so freue, gehe ich heut mit meiner Velara das erste Mal überhaupt rumsen 🙂 ( http://rundumsweib.blogspot.co.at/ )

Drück euch und wünsch euch einen tollen Start ins Wochenende morgen!

Eure Kischi